Bodenbildende Faktoren

Bodenausgangsgestein

Der Begriff Bodenausgangsgestein oder einfach nur Ausgangsgestein oder Gestein wird in der Bodenkunde sowohl für Festgesteine (Felsen) als auch für locker gelagerte und andere Sedimente (Sande und andere Sedimente) verwendet. Es bezeichnet das an einem bestimmten Standort vorliegende Grundgestein auf dem die Bodenentwicklung stattfindet.

Das Bodenausgangsgestein liefert die mineralischen Bestandteile des Bodens. Je weniger stark die Bodenentwicklung fortgeschritten ist, desto ähnlicher sind die Eigenschaften des Bodens gegenüber dem unverwitterten Ausgangsgestein. Die chemische Zusammensetzung des Gesteins bestimmt mit unter die weitere Entwicklung des Bodens. Kalkhaltige, nährstoffreiche Standorte lassen z. B. eine Rendzina entstehen. Kalk- und nährstoffarme Standorte weisen eher Braunerden und später Podsole vor. Der Gehalt an basisch verwitternden Mineralen bestimmt auch die Geschwindigkeit der Bodenentwicklung. Denn typische Merkmale beispielsweise die der Tonverlagerung (Lessivierung) treten erst auf, wenn die Carbonate abgeführt wurden und Tonminerale vereinzeln die anschließend mit dem Niederschlagswasser durch die Poren ausgewaschen werden können.

Darüber hinaus haben die Körnung und das Gefüge des Ausgangsgesteins einen Einfluss auf den Verlauf der Verwitterung. Gesteine mit grobem Gefüge verwittern leichter als Gesteine mit feinem Gefüge. Die Körnung bestimmt die Geschwindigkeit der Versickerung des Wassers. Je gröber die Körnung (Sande), desto schneller versickert der Regen. Ist die Körnung feiner (Tone) wird das Sickerwasser eher gestaut und es treten hydromorphe Eigenschaften zu Tage (Pseudovergleyung).

 

Relief

Das Relief oder auch Geomorphologie hat neben dem Gestein auch einen großen Einfluss auf die Bodenentwicklung. Ob beispielsweise an einem Hangfuß, am Hang selbst oder auf dem Gipfel gelegen, weist ein Standort stets unterschiedliche Eigenschaften auf. Auf dem Gipfel treten eher die Eigenschaften des Gesteins in den Vordergrund, im Hang überwiegen die Erosionskräfte und hemmen die fortschreitende Bodenentwicklung. Am Hangfuß reichert sich vom Hang abgetragenes Material an und es stellen sich tiefe Kolluvien ein.

Auch wird die Entfernung zum Grundwasser durch das Relief mitbestimmt.

Die Sonneneinstrahlung und die damit zusammenhängende Erwärmung des Bodens werden durch die Exposition (Ausrichtung zu einer bestimmten Himmelsrichtung) festgelegt üdexponierte Standorte erwärmen sich schneller und wärmer als Nordexponierte. Dies ist u.a. ein wichtiger Faktor bei der Standortwahl für den Weinbau.

 

Das Klima

Der Einfluss des Klimas äußert sich auf vielfältige Weise. Erwähnt wurden bereits die Sonneneinstrahlung und die damit zusammenhängende Temperatur. Eine höhere Temperatur bewirkt einerseits besseres Pflanzenwachstum (zumindest in Deutschland), andererseits aber auch eine höhere Aktivität der Mikroorganismen im Boden, die für die Zersetzung der bereits zerkleinerten organischen Substanz sorgen (was von Blättern übrig geblieben ist). Dies führt zu unterschiedlichen Ausprägungen des humosen Oberbodens (z. B. Tschernosem). Hierbei spielt allerdings auch der Wasserhaushalt eine wichtige Rolle, der wiederum durch die Niederschläge bestimmt wird. Die Menge des Niederschlages wirkt direkt auf Verlagerungsprozesse die intensiver ablaufen je höher der Niederschlag ausfällt.

 

Der Mensch

Der Mensch kann den Boden sehr mannigfaltig in seiner Entwicklung und seinen Eigenschaften beeinflussen, ob positiv oder negativ hängt von der Sicht des Betrachters ab.

Die Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft ist der flächenmäßig am weitesten verbreitete Faktor. Mit jedem Pflugvorgang werden die obersten 30 cm der Bodens homogenisiert. Auf Stoffgehalte wirkt sich die Bearbeitung verdünnend aus. Die Luftkapazität wird erhöht und Bodenorganismen können  die organische Substanz schneller verarbeiten. Pflanzenwurzeln breiten sich schneller aus. Poren und Wurmgänge werden temporär verändert was wiederum einen Einfluss auf die Sickerwasserrate hat.

Doch auch Stoffeinträge wie beispielsweise durch Altlasten verändern die Eigenschaften des Bodens nachhaltig. Technogene Substrate bringen vermehrt Stoffe wie Schwermetalle mit sich.

 

Die Vegetation

Die Vegetation ist abhängig von den Eigenschaften des Standortes selbst. Nicht auf jedem Gestein wachsen dieselben Pflanzen. Doch hat sich erst einmal ein Vegetationstyp eingestellt, dann wirkt dieser auf die Eigenschaften des Bodens. Heide und Nadelstreu wirkt auf den Boden versauernd was die Humusauswaschung weiter fördert (Podsolierung). Gräser sind sehr eiweißreich, können schnell zersetzt werden und fördern daher die Entwicklung des Bodentyps Tschernosem. Diese Streuarten führen zu verschiedenartiger Ausprägung der Humusformen Mull, Moder und Rohhumus. Mull ist am weitesten zersetzt (bei Grasvegetation), Rohhumus am geringsten (Heide und Nadelstreu). Hier finden sich auch noch über Jahre erkennbare Pflanzenreste. Die Humusform Mull ist in der Lage potentielle Schadstoffe wie Schwermetalle eher zu binden als der Rohhumus. Auch kann dieser mehr Wasser speichern. Moder ist eine Übergangsform zwischen beiden Humusarten.

 

Die Zeit

Die Zeit beschreibt nichts anderes als die zeitliche Länge der Einwirkung der übrigen Faktoren. Je länger ein Faktor wirken kann, desto stärker führt dieser zu bestimmten Eigenschaften. Ein Podsol ist längere Zeit den Niederschlägen ausgesetzt als eine Braunerde wenn die übrigen Faktoren hier gleich intensiv wirken.