Bodenentwicklung der Marschen

Die Entwicklungsreihe der Marschen ist eine Chrono- und Reliefsequenz, eine zeitliche sowie eine räumliche Abfolge in der Entwicklung der Marschen. Sie reicht von der Rohmarsch in den Salzwiesen als jüngste Marsch bis hin zur Organomarsch in der Nähe der Geest als Älteste. Die Marsch als Territorialbegriff ist eine Landschaftseinheit entlang der Nordseeküste und findet sich begleitend des Wattenmeeres von Esbjerg in Dänemark bis nach Den Helder in den Niederlanden. Diese Marschenlandschaft ist weltweit die flächenmäßig größte in ihrer Art.

Von den Hydromorphen Eigenschaften und ihrer Horizontierung aus betrachtet, sind Marschen den Gleyen sehr ähnlich, weisen allerdings 3 Unterschiede auf.

Zum einen sind sie regional begrenzt vorzufinden, eben nur in Nordseeküstennähe. Durch die Nähe zum Meer zeigt auch jeder Marschboden eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Sturmflutschichtung.

Zum anderen sind die Bodenausgangsmaterialien Litorale Sedimente (das Litoral ist der Bereich in dem Meerwasser und Landoberfläche direkt aneinandergrenzen ~Watt). Diese sind a) sehr Schluffreich, b) sehr kalkreich und c) reich an leicht abbaubarer organischer Substanz, welche große Anteile an zerschlagenen Zellinhaltsstoffen ehemaliger Meeresorganismen enthält.

Zum dritten sind es allesamt relativ junge Böden mit maximal ca. 2.500 Jahren auf dem Buckel (zumindest im Kontext der Bodenkunde).

Marschenreihe
aus MUELLER 2009: Folien zur Vorlesung Bodengenetik, Hochschule Osnabrück.

Ihren Ursprung haben Marschen im Wattenmeer. In diesem Entwicklungsstadium kann das Watt aufgrund der Massenbewegungen des Tidehubs noch keine Vegetation tragen. Mit jeder Überflutung wird frisches Sediment abgelagert, welches zwar in der Menge recht wenig ist aber überwiegend aus leicht abbaubarer organischer Substanz besteht (Zellinhaltsstoffe, eiweiß- und schwefelreich, keine Gerbstoffe, keine Lignine, keine Wachse). Durch Landgewinnungsmaßnahmen, Sedimentierung und natürlichen Massenverlagerungen entlang der Küste wächst der Boden teilweise an. Erster Queller kann siedeln, verringert die Abflussgeschwindigkeit an der Oberfläche wodurch weiter Material abgelagert wird.

In den höher gelegenen Salzwiesen, die an die Quellerzone heranreichen hat sich die Rohmarsch eingestellt. In diesem Bodentyp ist der Salzgehalt noch recht hoch und kann bei starker Verdunstung sogar über 10% betragen. Im Allgemeinen liegt die Rohmarsch außerhalb von Landesschutzdeichen und ist damit auch weiterhin episodischer Überflutung ausgesetzt. Durch Streufall der Salzwiesenvegetation hat sich ein erkennbarer Oberboden (Ah-Horizont) ausgebildet und einsetzende Belüftung sowie Niederschläge sorgen für die Sulfidoxidation und Entsalzung.

Weiter landeinwärts findet man die Kalkmarsch oder, aufgrund des geringen Alters von maximal ca. 300 Jahren, auch Jungmarsch genannt. Innerhalb von 40cm Tiefe muss Kalk nachgewiesen werden ehe sie als Kalkmarsch bezeichnet wird. Auf der Kalkmarsch wird oft intensiv Ackerbau betrieben, insbesondere Kohlanbau. Kohl ist eine salztolerante Pflanze, denn nach wie vor wird über den Luftpfad Salz des Meeres eingetragen wobei die Kalkmarsch selbst schon nahezu salzfrei ist.

Nach 200 Jahren weiterer Entkalkung durch Sulfidoxidation und Kalkauswaschung stellt sich die Kleimarsch oder Ältere Jungmarsch ein. Die oberen 40 cm sind praktisch kalkfrei. Aufgrund der Küstenentwicklung liegen Kleimarschen noch weiter landeinwärts.  Durch stärkere Versauerung setzt Verbraunung und Tonverlagerung ein. Eine hohe Regenwurmdichte und die damit verbundene Vermischung des Bodens lässt die Sturmflutschichtungen in den Hintergrund treten. Auch hier wird Ackerbau betrieben obwohl die Fruchtbarkeit schon durch den Kalkverlust reduziert ist. Der Tongehalt ist erhöht.

Ist der Tongehalt bzw. Schluffgehalt im gesamten Bodenkörper durchgängig relativ hoch, sodass Niederschläge gestaut werden, wird diese Marsch als Haftnässemarsch klassifiziert. Sie ist räumlich mit der Kleimarsch, aber auch mit der Knickmarsch vergesellschaftet.

Knickmarschen sind in der Chronosequenz der Marschen bereits recht alte Böden von ca. 2000 Jahren und finden sich dementsprechend in der Altmarsch. Der Name leitet sich von einem, durch fortgeschrittene Tonverlagerung und Verbraunung entstandenem Tonband, dem Knickhorizont ab. Um Ackerbau zu verbessern müsste hier aufwendig gedränt werden, weshalb meist Grünlandwirtschaft betrieben wird, die sogenannte Grübbenwirtschaft.

Ebenfalls mit den Knickmarschen vergesellschaftet sind die Dwogmarschen. Obwohl diese Böden weiter im Landesinneren liegen kann es bei sehr starken Sturmflutereignissen zur Überflutung kommen. Bei einem solchen Ereignis wird die weitere Bodenbildung unterbrochen und der Oberboden durch Sedimente überlagert. Mit der Zeit entsteht ein fossiler Ah-Horizont.

Mit ca. 2500 Jahren ist die Organomarsch der älteste Marschboden und absolut kalkfrei. Schwefelsäure, herrührend aus eiweiß- und schwefelhaltigen Wattablagerungen,  ist in diesem Bodentyp dominant und lässt pH-Werte unterhalb von 3 erreichen. Werden solch niedrige pH-Werte erreicht, findet man meist auch Maibolt, ein gelbes Mineral, geologisch Jarosit genannt oder orangenfarbenes Schwertmannit. Beides sind schwefelhaltige Verbindungen. Organomarschen sind keine weit verbreiteten Bodentypen. Dementsprechend seltener sind Maibolt und Schwertmannit zu finden.